PRESSESTIMMEN


• WESERKURIER - 27.10.2016

Weserkurier

Der "Weserkurier" hat zum 80. Geburtstag von Inge Buck im Zusammenhang mit ihrem neuen Prosaband  "Die Grenzen des Sommers" ein "Porträt" der Autorin veröffentlicht.

Zum Lesen des Arttikels bitte das Bild anklicken.


• ROTENBURGER NEUE PRESSE - 19.12.2015

Unter dem Schnee

Deutsch-persische Lesung in Rotenburg

ROTENBURG. Am Mittwoch, 20. Januar, 19 Uhr, gibt es in der Rotenburger Cohn-Scheune eine deutsch-persische Lesung mit Bildern und Musik. Titel: Unter dem Schnee.

Cohn-Scheune Bild Links: In der Cohn-Scheune am Kirchhof findet die Lesung statt Foto: Woyke

„Durch die Gedichte der Bremer Lyrikerin Inge Buck weht die Zeit, sie wiegen sich in Augenblicken und handeln doch von Grundfragen des Lebens“, heißt es erklärend in der Einladung. Buck war als Literatur- und Theaterwissenschaftlerin an der Hochschule Bremen tätig. „Unter dem Schnee“ ist ihr zehnter Lyrikband. Von diesen „hochkomprimierten und dabei zugänglichen“ Gedichten ließ sich die Künstlerin Monica Schefold zu zeichnerisch filigran ausgestalteten Collagen anregen. Jene sind schon jetzt im Vorfeld der Lesung in der Cohn-Scheune zu sehen.

Madjid Mohit, Verleger des Sujet Verlags in Bremen, hat das Wagnis unternommen, die Gedichte ins Persische zu übertragen, und wird einige seiner Übersetzungen lesen. Mohit, 1990 als Flüchtling aus Teheran nach Bremen gekommen, wurde gerade mit dem renommierten Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums geehrt. 2014 war er, damals zusammen mit der Autorin Schirin Nowrousian, schon einmal in der Cohn-Scheune zu Gast.

Der Dialog zwischen Gedichten, Sprachen und Bildern wird an dem Abend von Marcus Wesche, Stapel, mit der Laute musikalisch begleitet.


• WESERKURIER BREMEN - 25.10.2015

ANTHOLOGIE

Wie Autoren dem Krieg Leidenspoesie abringen

Aus dem Gepäck der KriegskinderEinen berührenden Band hat Inge Buck herausgegeben. Er versammelt Lyrik und Prosa Bremer Autoren, die schmerzlichen Kriegserinnerungen Poesie abringen (neben Inge Buck: Mathias Groll, Lisa Helms, Ursula Ziebarth, Siegfried Marquardt, Christine Mattner, Hartwig Struckmeyer, Karl-Heinz Tauss). Gemeinsam ist den Beiträgen die Perspektive jenes Kindes, das die Verfasser waren, als Sirenen von Fliegeralarm kündeten. Oft sind es der Netzhaut der Beobachter schier eingebrannte Details (in denen bekanntlich Teufel stecken), die zur Sprache kommen. Es ist diese „Andacht zum Unbedeutenden“ (Walter Benjamin), zum bloß vermeintlich Randständigen, die die Texte beglaubigt und nobilitiert.

Hendrik Werner

Inge Buck (Hrsg.): Aus dem Gepäck der Kriegskinder – im Zweiten Weltkrieg.
Edition Falkenberg, Bremen. 159 Seiten, 14,90


• taz Nord - 10.10.2015

"Ich dachte, es berührt mich nicht"

INGE BUCK Sie wollte eigentlich nur einen Wochenend-Workshop zum Schreiben „Kriegskinder-Literatur“ leiten. Daraus wurden ein Jahresprojekt, ein Buch – und die Erkenntnis, wie stark sie selbst noch verwoben ist

TAZ Interview
Um das ganze Interview zu lesen, klicken Sie bitte das Bild an. Sie können es dann als PDF-Datei lesen oder auch herunterladen.

Inge Buck und Monica Schefold haben unter dem Titel „Unter dem Schnee“ im Sujet-Verlag ein Bändchen mit Lyrik und Collagen vorgelegt. Der Perser Madjid Mohit hat die Gedichte von Inge Buck in seine Muttersprache übersetzt. „Ihre poetische Sprache ist für mich immer ein Zugang zur deutschen Lyrik gewesen. Ihre Gedichte erinnern mich an Hilde Domin: Starke Bilder werden durch eine direkte und ausdrucksvolle Sprache vermittelt. In ihren Texten nimmt die Natur eine zentrale Rolle ein. Dabei ist die Zeit das übergreifende Thema ihrer Poesie“, schreibt Madjid Mohit in ihrem Vorwort zu „Unter dem Schnee“. Insofern gehen sie mit den zartgliedrigen, ebenso poetischen wie fantasievollen Collagen von Monica Schefold einen kongenialen Dialog ein.

Weiter schreibt Madjid Mohit: „Wir denken täglich über die Zukunft nach, über das was morgen ist, und verpassen dabei den Augenblick. Der Augenblick ist jedoch die einzige Wahrheit, die existiert und das versucht Inge Buck in ihren Gedichten anhand von Bildern zu vermitteln“. Beispielsweise im Gedicht: „Zwei Minuten“.

Momentaufnahmen hat sie auch in „Ein kalter Sommer“ festgehalten: „Ein winterlicher Frühling, ein kalter Sommer, ein frühlingshafter Herbst, ein sommerlicher Winter“. Inge Buck ist studierte Psychologin und Publizistin sowie Literatur- und Theaterwissenschaftlerin. An der Hochschule Bremen war sie als Kulturwissenschaftlerin tätig. Die Autorin hat Biografien und Anthologien herausgegeben und mehrere Lyrikbände veröffentlicht. Monica Schefold studierte Kunstpädagogik und Grafik und arbeitete in London und New York als Grafikerin. Unter anderem arbeitete sie als Lehrbeauftragte an der Hochschule der Künste in Berlin. Ihre Fotoarbeiten, Bilder und Collagen hat sie in mehreren Buchpublikationen und Ausstellungen gezeigt.

„Unter dem Schnee“ mit Gedichten von Inge Buck und Collagen von Monica Schefold ist im Sujet-Verlag erschienen und kostet 14,80 Euro


• WESERKURIER BREMEN - Sonntag, 31.05.2015

LYRIK

Inge Bucks präzise Preziosen

Unter dem SchneeDer Bremer Sujet-Verlag hat mit Inge Bucks neuem Gedichtband „Unter dem Schnee“ erneut ein literarisches Juwel veröffentlicht. Buck vermag es, in ihren wie hingehauchten Wenigzeilern eine komplette Welt vor dem inneren Auge des Lesers aufzubauen: „Mitten im Krieg/sitzt ein Mensch/auf der anderen Seite/ des Erdballs/und angelt“. Ihre präzisen Preziosen sind stets umweht von leichter Melancholie, die durch Collagen von Monica Schefold noch unterstrichen wird. Das Bändchen wird zudem geschmückt durch die Übersetzungen von Bucks Gedichten ins Persische – für den, der die Sprache nicht beherrscht, sind die eleganten Schriftzeichen eine zusätzliche Augenweide.

Inge Buck liest am 1. Juni, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Leuwer.

Iris Hetscher


• TAZ Die Tageszeitung - Nord-Kultur - Samstag/Sonntag 30./31.05.2015

Sich verwebende Luftwurzeln

INTERNATIONALE BUCHKUNST "Unter dem Schnee" ist ein schwäbischpersischirisches Gemeinschaftswerk aus Lyrik und Collage, das hier von einem Juristen gewürdigt wird


VON JOHANNES FEEST

Normalerweise geht es bei einer Buchvorstellung um eine Person: den Autor oder die Autorin. Bei "Unter dem Schnee" sind drei Personen am Gelingen des Werks beteiligt. Neben Inge Buck, die Autorin der 28 Gedichte, treten Monica Schefold, eine Künstlerin, die die gleiche Zahl von Collagen beigesteuert hat, und Madjid Mohit, der die Gedichte ins Persische übersetzt hat.

Mohit stammt aus einer iranischen Verlegerfamilie und kam 1990 als politischer Flüchtling nach Deutschland. Eigentlich wollte er nach Kanada. Aber der Bundesgrenzschutz hinderte ihn daran, wofür wir der Bundespolizei nachhaltigen Dank schulden. Wenige Jahre später gründete Mohit den Sujet-Verlag. Zu Mohits selbstdefiniertem Sujet wurde die "Luftwurzelliteratur". Dazu schreibt er im Vorwort von "Unter dem Schnee": "Luftwurzeln halten sich nicht an Grenzen, sondern wachsen über sie hinaus. Sie verankern sich nicht nur an einem Ort, sondern an mehreren. Sie sind beweglich, lebendig und reagieren auf ihre Umwelt. Auch Menschen schlagen Luftwurzeln. Sie reisen, wandern aus, flüchten. Sie lassen ihre Heimat hinter sich und finden eine neue. Sie fühlen sich nicht nur an einem Ort zugehörig, sondern an mehreren, sie verfügen über eine komplexe kulturelle Identität."

Das Bild ist so poetisch wie genau. Poetisch, weil das Wort die Luftigkeit der Künste evoziert. Es ist genau, weil der botanische Begriff der Luftwurzel daran erinnert, dass Verwurzelung nicht ausschließlich in der (Heimat-)Erde erfolgt, sondern das die Natur andere, wunderlichere Formen dafür entwickeln kann.

In den letzten knapp 20 Jahren hat Madjid Mohit vor allem Autoren publiziert, die aus anderen Teilen der Welt stammen, aber hier leben und auf Deutsch schreiben. Er hat aber auch immer wieder Werke "bio-deutscher" Autoren veröffentlicht. "Unter dem Schnee" bedeutet ein Novum für ihn: die Veröffentlichung neuer Gedichte einer deutschen Schriftstellerin in einer zweisprachigen Ausgabe.

Der Begriff "Luftwurzeln" trifft übrigens auf seine Weise nicht nur auf Madjid Mohit zu. Monica Schefold ist in Deutschland geboren, aber in Irland aufgewachsen, wohin ihre Eltern sich aus Nazi-Deutschland zurückziehen mussten. Sie ist auf langen Umwegen nach Deutschland zurückgekehrt. Ihre Zugehörigkeit zur Luftwurzelkunst kann kaum bestritten werden; man könnte sogar sagen, dass sie über ein doppeltes System von Luftwurzeln verfügt, das ihr ermöglicht, in Irland als Deutsche und in Deutschland als Irin zu überleben. In Bremen ist sie seit 1980 zu Hause. Das Material ihrer Kunst ist vielgestaltig und beruht nicht zuletzt auf der langjährigen Praxis, Flohmärkte zu besuchen. Zuletzt hat sie sich ganz auf die Collage konzentriert. Gerd Sautermeister hat ihre Collagier-Kunst präzise auf den Nenner gebracht: "Sie fesseln den Betrachter, weil sie ihre Bedeutung nicht unmittelbar zu erkennen geben, sondern zunächst einmal verbergen."

Auch in dem hier vorgestellten Buch sind Schefolds Collagen nie Illustrationen der Gedichte. Sie stehen vielmehr selbstständig neben diesen. Manchmal lässt sich ein assoziativer Zusammenhang zu den Gedichten herstellen. Etwa wenn in einer Collage Herbstlaub zu sehen ist und die flankierenden Gedichte den Herbst thematisieren. Aber in den meisten Fällen ist es schwer möglich, eine solche konkrete Beziehung zu den Texten herzustellen. Zarte Libellenflügel vor einem hochaufragenden Berggipfel lassen den Betrachter ebenso fasziniert wie irritiert verweilen. Solche Collagen stehen für sich und schaffen Momente der Ruhe, in der die Gedichte nachwirken können.

Inge Buck ist in Süddeutschland aufgewachsen, hat in Tübingen, München und Wien studiert. Nach ihrer Promotion war sie Redakteurin beim Deutschlandfunk in Köln. An der Hochschule Bremen war sie als Kulturwissenschaftlerin tätig. Aber wo bleiben hier die Luftwurzeln? Hier muss ein erweiterter Begriff des Luftwurzeltums zur Anwendung kommen, der vor allem darauf beruht, dass auch im föderalen deutschen System ein erhebliches Maß an Luftverwurzelung erforderlich ist, jedenfalls dann, wenn es einen in andere, wesensfremde, Landesteile verschlägt.

In ihrem zehnten Band vereinigt Buck Gedichte, die hochkomprimiert und zugleich äußerst zugänglich sind. "Unter dem Schnee" ist zugleich der Titel eines der Gedichte. Man könnte meinen, dass es sich um Winter-Poesie handelt. Aber Frühling, Sommer und Herbst kommen ebenfalls zu ihrem Recht. Und es ist auch keine reine Naturlyrik. Vielmehr schlägt die Betrachtung einfachster Naturphänomene ("Wind", "Frühlingsvogel", "Stein", "Gras") regelmäßig in Überlegungen über Leben, Liebe, Vergänglichkeit und Tod um.

Im Titelgedicht befinden sich unter dem Schnee zunächst die Toten, in zweiter Linie ist es (immer noch ganz realistisch) das Gras vom Vorjahr. Aber in dritter Linie sind es "meine Liebesbriefe | aufbewahrt | unter dem Schnee | für dieses Jahr". Es ist der Schnee von gestern.

Schon bei vorangegangenen Gedichtbänden haben manche die Nähe der Gedichte Bucks zu Haikus und anderen lyrischen Kurzformen vermerkt. Mohit schreibt im Vorwort, dass einige der Gedichte ihn an Omar Khayyam erinnern. Ein höheres Lob ist aus persischem Mund für eine deutsche Dichterin schwerlich vorstellbar.

Lesung: Montag, 19.30 Uhr, Buchhandlung Leuwer

"Erinnerung an Omar Khayyam": Ein höheres Lob ist aus persischem Mund für eine deutsche Dichterin schwerlich vorstellbar

Johannes Feest
war von 1974 bis 2005 Professor für Strafverfolgung, Strafvollzug und Strafrecht an der Universität Bremen. Der abgedruckte Text ist ein Auszug aus seiner Lesungs-Laudatio.



• WESERKURIER BREMEN 08.07.2014

Oktoberlicht" im Juli: Bremer Autorin Inge Buck legt neue Lyrik vor.
Lesung am nächsten Dienstag

Verse über Vergänglichkeit
Von Hendrik Werner

Bremen. Wer in Tübingen geboren worden ist, ebenda sowie in München und Wien studiert hat, um hernach in Köln und Bremen zu arbeiten, hat ein Ohr für regionale Zungenschläge im deutschsprachigen Raum – und ein Auge für das, was zwischen den Zeilen steht. Weil Inge Buck viel herumgekommen ist in ihrer akademischen und beruflichen Vita, kommt – zumal bei Lektüre ihrer poetischen Texte – viel rum. Lust- und Erkenntnisgewinn des Lesers halten sich dabei wohltuend die Waage. Jetzt legt die auf Gedichte, Hörspiele und Dokumentarfilme abonnierte Autorin und Journalistin einen neuen Band mit atmosphärisch dichten Versen vor. In "Oktoberlicht" (Sujet-Verlag) zeigt die "große alte Dame der Bremer Lyrikszene" (taz), dass sie ihre Arbeitsmaxime nicht von ungefähr einem melancholischen Bonmot des Kulturphilosophen Siegfried Kracauer abgelauscht hat: "Denn das Gestaltete kann nicht gelebt werden, wenn das Zerfallene nicht eingesammelt und mitgenommen wird."

In mal empfindsamen, mal aufbegehrenden Miniaturen inspiziert Inge Buck das Weben der Erinnerung und die zerstörerische Kraft des Vergessens, den Mahlstrom der Zeit und die Verführungsmacht der Jahreszeiten. Ihre kompakten lyrischen Reminiszenzen, die um Vergänglichkeit kreisen, geben Vergangenes nicht verloren, sondern versuchen es zu retten. Zeugnis von ihrer Bewahrungsstrategie legt Buck am nächsten Dienstag bei einer Lesung ab.

Inge Buck: Oktoberlicht. Sujet, Bremen. 86 Seiten, 14,80.


• TAZ NORD 04.07.2014

Die Beharrliche

Dass die große alte Dame der Bremer Lyrikszene eine Sprachmelodie hat, die dezent zwischen schwäbisch und ostfränkisch oszilliert, zeigt Zweierlei: Die Kultur des calvinistischen Bremen lebt noch immer von Zuwanderung aus dem Katholischen. Und: Inge Buck hat sprachliche Qualitäten, die sich überall durchsetzen.

Die beweist sie zum wiederholten Mal in einem Band, der "Oktoberlicht" heißt, aber Mitte Juli vorgestellt wird. Ist das die subtile Art, in der zeitgenössische Lyrik auf den Klimawandel reagiert? Tatsächlich reflektiert Buck in einigen ihrer Texte das Aufweichen der Jahreszeiten. Doch beim Erscheinungsdatum hat sie sich eher den Verlagsbedürfnissen angepasst. Sie war eine der ersten Bremer Autorinnen, die den von Madjid Mohit gegründeten Sujet Verlag unterstützten. Der iranische Asylbewerber begann mit dem Druck von Pizzaflyern, heute ist er Bremens wichtigster Verleger unter anderem für Lyrik - nicht zuletzt dank Inge Buck.

Buck mag Beharrlichkeit, Widerständiges. Ihr Stil ist konzentriert, teils stenografisch bis hin zur Stichworthaftigkeit - und trifft dennoch ganze Stimmungs- und Lebenswelten. Etwa die des Dichters Montaigne, der erst nach einem fast tödlichen Reitunfall zu schreiben begann. Buck taucht tief in Biografien ein, wie die der 116-jährigen Japanerin Misao Okawa, deren Leben sie zu einem intensiven Achtzehnzeiler kondensiert.

Bucks Heimat ist flach wie die hiesige Tiefebene, nur 600 Meter höher gelegen. Das Hohenloher Land, durch das sie in ihren Texten mit ihrem betagten Vater wandert: "Ich brauche keinen Stock", sagt der, "das ist was für alte Leute." Da war er bald 101. Bis dahin hat seine Tochter noch ein Vierteljahrhundert. Sie wird Krähen bewundern und Kakteen gießen. Und tief eindringende Texte schreiben.

Henning Bleyl


• Theater Lüneburg 22.05.2013

P R E S S E M I T T E I L U N G

Kurzdramen- und Autorenwettbewerb SALZ 3: Die sechs Stücke, die uraufgeführt werden, stehen fest / Autoren aus Hamburg, Bremen, Wien, Köln und Berlin / Festival am 08. & 09.06.2013

Carsten Brandau, Inge Buck, Clemens Füsers, Jörg Isermeyer, Bernd Watzka und Katharina Wild – das sind die Autoren, deren Stücke im Rahmen des Festivals SALZ 3 am 8. und 9. Juni uraufgeführt werden. Die zweiköpfige Jury kürte aus mehr als 230 Einsendungen die sechs Kurzdramen, die in das Rennen um den von der E.ON Avacon AG gestifteten Ersten Preis sowie den undotierten Publikumspreis gehen. Das Kurzdramen- und Autorenfestival findet zum dritten Mal statt. Es wurde von Sabine Bahnsen, der Leiterin der Kinder- und Jugendbühne T.3 am Theater Lüneburg, ins Leben gerufen.

VOR DER TÜR von Inge Buck
Eine Frau hat sich in der Bahnhofstoilette eingeschlossen – und vor der Toilettentür beginnt ein kleines Welttheater. Junge Reisende, alte Reisende, Anwohner, Streetworker, Rollstuhlfahrerinnen, Polizisten … alle kommen vorbei und haben natürlich etwas zu sagen über die abwesende Frau, die kaum einer je gesehen hat. REGIE: Sigrid Meßner

INGE BUCK wurde in Tübingen geboren und schloss ihr Literatur- und Theaterwissenschaftsstudium in Tübingen, München und Wien mit Promotion ab. Sie war Redakteurin beim Deutschlandfunk und lehrte im Bereich Kulturwissenschaften an der Hochschule in Bremen. Aktuell lebt und arbeitet sie als Autorin in Bremen und Süddeutschland. Ihre Arbeitsgebiete sind Lyrik, Kurzprosa, Hörfunk-Feature und Hörbild, Biografie, Edition und Dokumentarfilm.


• WORTNETZ 01/ 2012

VOM BEHERRSCHEN DES SOMMERS
Inge Bucks Lyrik/Prosaband "Kardendistel"

Die Kardendistel ist eine imposante Pflanze. In den Trichtern der Blätter sammelt sich nach dem Regen Wasser und dient Vögeln und Insekten als Tränke. In Inge Bucks Buch begegnet man ihr im Coverfoto, das einen getrockneten Blütenstand zeigt. Die Dichterin – und daran lässt sie ihre Leser teilhaben – trifft auf die Kardendistel beim täglichen Spaziergang mit ihrem einhundert Jahre alten Vater. Das berührt. Wie nebenbei erwähnt, spielerisch, mit leichter Hand, brennt sich das Bild der Pflanze ein. Eine Kardendistel, sagt der Vater.

Dieses Zitat findet sich in einem der Prosatexte dieses erstaunlichen Bandes. Erstaunlich deshalb, weil er auf 72 Seiten eine ganze Welt offenbart. Es ist die Welt der Dichterin und weist doch weit über sie hinaus.

Der Leser reist mit der Autorin. Die Reise führt nach Salzburg, in die "gebirgige Stadt" oder an einen Ort sechshundert Meter über dem Meer. Dort kämpfen die Menschen in trockenen Sommern einen Kampf um Wasser, der sie der Worte beraubt. Als Kontrast hierzu nimmt uns Inge Buck mit in die Natur, geleitet uns im Regen an die Ufer der Schlei oder im Frühling an Vorgärten vorbei durch den Tag. Immer wieder tauchen Vögel auf, deren Freiheit sie beschwört.

Wir betreten Literaturarchive und studieren gemeinsam Kleists Briefe und Trakls Handschrift. Im "Museum der Melancholie", so die Kapitelüberschrift, erinnert Inge Buck uns an Frida Kahlo, Nelly Sachs und Max Ernst.

Melancholie liegt auch über anderen Texten und erinnert an die Abschiedsstimmung erster Herbsttage. Mit nur zwei Gedichten gelingt es der Autorin, das Leben ihrer Mutter bis hin zu deren Tod zu skizzieren. Gerade das, was zwischen den Zeilen erzählt wird, erzeugt meisterlich Stimmungen und Schwingungen.

Weit mehr als Melancholie – Ängstlichkeit, Entbehrung, aussichtslose Gefühle – schildert der Prosatext "Fluchtwege". Atemlos folgt man einem Kind hinter die Mauern einer Klosterschule. Beinahe körperlich spürt man die Fesseln des kargen Lebens, der Beschränkungen, die Beschneidung der Eigenständigkeit. Die gereifte Frau, die an diesen Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, möchte man seine Betroffenheit mitteilen, mehr erfahren über diesen Platz und das, was hier gelebt wurde. Ganz selten habe ich einen kurzen Prosatext von derartiger Eindringlichkeit gelesen, noch nie einen nachhaltigeren.

Anders als sonst bei lyrischen Veröffentlichungen empfehle ich, diesen Band nach dem ersten Aufschlagen in Gänze durchzulesen. So entfaltet sich der Reichtum eines Lebens, von dem wir das Glück haben, es in poetischen Texten vor Augen geführt zu bekommen. Bei aller bei einer Buchempfehlung gebotenen Sachlichkeit: Inge Buck darf man dankbar sein für dieses Werk.

(Sabine Prilop)


• WESERKURIER, 12.02.12

Erinnerungen in Worte fassen, Gefühle, Gerüche, Empfindungen aus vergangenen Zeiten in die Gegenwart übertragen – die Bremer Autorin Inge Buck stellt sich dieser Aufgabe in ihrem jüngsten Prosa- und Lyrikband...

Eine Reise in die Jugend hinter abgelegenen Klostermauern, Erinnerungen an Spaziergänge mit dem Vater oder an die Wasserknappheit in einem südlichen Dorf, frühe Lektürebegegnungen mit Kleist, Trakl und Peter Paul Zahl.

In den Gedichten und kurzen Prosatexten Inge Bucks besticht die Fähigkeit der Autorin, in sorgfältig ausgesuchten Worten und Bildern Stimmungen zu erzeugen. Ihre subjektiven Erfahrungen werden zu Bildern in den Köpfen der Leser, die alle Sinne ansprechen, die Gefühle hervorlocken. Die Macht der Worte – hier spürt man sie in jeder Zeile. (pg)


• SÜDWESTPRESSE, 05.01.12

Ursula Richter
Erfahrung mit Hochliteratur als roter Faden

Apart und ein bisschen widerspenstig wie die gleichnamige Pflanze gibt sich Inge Buck in ihrem neuen Lyrik-und Prosaband "KARDENDISTEL".

Gerabronn - Dr. Inge Buck ist die Tochter des 2008 im Alter von 101 Jahren gestorbenen Arztes Dr. Helmut Buck – eine Legende in Gerabronn. Seine Tochter erzählt in einem der Prosatexte von einem Spaziergang mit dem damals 100 Jahre alten Vater. Achtsame Wahrnehmung lag offenbar in der Familie. Sorgfältig werden die Vogelstimmen registriert. Die Pflanzen am Wegrand erfahren kenntnisreiche Zuordnung. Eine KARDENDISTEL, wie sie in unserer Landschaft häufig zu finden ist, fasst den Moment zusammen und wird titelgebend nicht nur für die Miniatur. Es ist eine einfache, karge Erscheinung mit geringen Ansprüchen, die überall gedeiht. Ihre zusammengewachsenen Blätter wirken wie eine Zisterne. Der in ihnen gesammelte Tau und das Regenwasser dienen kleinen Tieren zur Wasserversorgung.

Wie sorgsam man mit Wasser hat umgehen müssen, ist eine eindrückliche Erfahrung der 1936 geborenen Literaturwissenschaftlerin. In "Sechshundert Meter über dem Meeresspiegel"schildert sie in einfachen Worten die sommerliche Wasserknappheit in den Dörfern vor Einführung der Bodenseewasserversorgung 1954. Die Wassernot wird zum lebensgestaltenden Element.

Kargheit und Strenge prägen die Jugendjahre der Autorin. Das Internat Lichtenstern wird für sie zu einem Ort, dessen Schilderung an Hermann Hesses "Unterm Rad" gemahnt. Eine Art stille Verzweiflung spricht aus den Erinnerungen bei der Wiederbegegnung mit dem Klostergebäude.

Die Sammlung von Gedichten und Geschichten bietet auch andere Aspekte. Der kleine Band ist in hellen Blautönen gehalten. Die Kardendistel selbst erblüht in einem unvermutet strahlenden Blau. In einem Kapitel, das die Lyrikerin "Die Freiheit der Vögel" nennt, ist von der Mutter die Rede. Von Vögeln, deren Stimmen wie im "Taubensommer" immer wieder aufhorchen lassen.

Und wie ein roter Faden zieht sich die Erfahrung mit der Hochliteratur in Halbsätzen und als Schemen durch die Texte. Das Rettende der Dichter, die sich wie Friedrich Schiller auf "Der Reise nach Leipzig" befinden oder aufblitzen in dem Satz "es ist alles ganz eitel". Andreas Gryphius lehrt uns, dass damit die Vergänglichkeit gemeint ist. Für Inge Buck sind sie gegenwärtig.

Info Erschienen ist das Buch im Bremer Donat Verlag,
ISBN-Nummer 978-3-938275-99-3, für 10 Euro.


• taz.de die tageszeitung, 03.12.11

Rau, ohne zu reißen
Lyrik & Prosa "Kardendistel": was Inge Buck mit Billardtischen verbindet
Von HENNING BLEYL

Ob Inge Buck gern Billard spielt, weiß ich nicht. Aber ich kenne eine Gemeinsamkeit der beiden: die Leidenschaft für Kardendisteln. Mit großer Empathie hat Inge Buck ihr jüngstes Buch nach dem Stachelgewächs benannt. Und Billardtische? Haben keine Leidenschaften, aber Herstellungsnotwendigkeiten: Die dornenförmigen, elastischen Spitzen des getrockneten Fruchtstands der Kardendistel sind sehr geeignet, um die Oberfläche von Wollgeweben aufzurauen - ohne sie zu zerreißen. Es wird eine flauschige Oberflächenstruktur erzeugt, die den Stoff veredelt. Viel Aufwand, aber unerlässlich für den permanent von Queues attackierten Filz der Billardtische.

Inge Buck, Foto: Hartmut Drewes
Hier lässt es sich dichten: Inge Buck auf ihrer Dachterrasse am Paulskloster. Foto: Hartmut Drewes.

Die Kardendistel, deswegen auch Weber-Karde genannt, ist eine zweijährige Pflanze. In einem ähnlichen Rhythmus erscheinen Inge Bucks Lyrik-Bände, wobei die bis dato jüngsten, "Märzlicht" und "Strand-Gut", sogar Einjahresgewächse sind. Bei der Weber-Karde stehen die Hüllblätter waagrecht ab, ihre Spreublätter sind starr, unbiegsam und an der Spitze nach rückwärts gekrümmt.

Wie sind Inge Bucks Gedichte?
Konzentriert. Nie weitschweifig. Dicht wie ein Dorn und eindringlich wie eben jener, dabei aber mit elastischem Schwung gesegnet - schließlich muss jede Analogsetzung zwischen Na- und Kultur mal in ihre Schranken gewiesen werden. Inge Bucks Gedichte sind also nur begrenzt mit Kardendisteln vergleichbar, allein die Rückwärtsgewandtheit der Blätter ließe sich noch auf das biografische Schürfen beziehen, das Buck in Texten wie "Im Kloster" unternimmt.

Seit Kurzem wohnt die frühere Klosterinternatsinsassin Inge Buck wieder auf monasterischem Boden, allerdings auf längst säkularisiertem. Erlebt man Inge Buck auf ihrer Dachterrasse beim Paulskloster, also mitten im Milchquartier, eingerahmt und eingelaubt von einem Ahorn, ist ihre Naturbezogenheit sehr spürbar. Die Stofflichkeit der Pflanzen ist Futter für ihr Schreiben.

Bucks Lyrik stützt sich wesentlich auf starke Substantive. Wie aber werden verbarme Verse zu dynamischen Gedichten? Bucks stenografischer Stichwort-Stil - das ist jetzt eine etwas zugespitzte Zuschreibung - versetzt den Lesenden in Schwingung, in dem er aus dem Wegfall von Überflüssigem Drive entwickelt und in seiner geradezu konstituierenden Kurzzeiligkeit pulsierende Rhythmen generiert. Taktak, taktaktak, tak.

Inge Buck ist eine haptisch Schreibende. Auf dem Boden ihres Arbeitszimmers in der Mansarde steht eine wuchtige Schreibmaschine, sie wolle "den Widerstand in den Fingern spüren", sagt die 74-Jährige, offenbar auch kratzendes Vibrieren am Handteller: Gänse- und Krähenfedern gehören ebenfalls zu Bucks Dichtbesteck. Sie interessiert sich für die körperliche Kraft, die solches Schreiben erfordert. Und studiert Kleists Manuskripte: "Stockender Tintenfluss / in dürftiger Unterkunft / ganze Seiten gestrichen / in kleiner Schrift / Dein Heinrich."

Der Titel-gebende Text von "Kardendistel" ist Prosa - keine Selbstverständlichkeit für einen Band, der überwiegend lyrisch angelegt ist. "Kardendistel" beschreibt einen Spaziergang auf der Hohenloher Hochebene, Bucks Heimat, und beginnt so: "Fast täglich gehe ich diesen Weg. Ich gehe ihn mit meinem Vater. In diesem Sommer ist er hundert Jahre alt geworden. Er sagt, dass er noch auf eigenen Beinen gehen kann. Er sagt, ich brauche noch keinen Stock, das ist was für alte Leute." Sowohl die Distel als auch ihr Vater haben für Inge Buck etwas mit Widerständigkeit zu tun. Mit der Fähigkeit, auf kargen Böden fest zu wurzeln.

Diese Distel, auch Rau-, Woll- oder Tuchkarde genannt, gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Buck wiederum gehört zum EmpfängerInnnen-Kreis des Robert-Geisendörfer-Preises, ferner war sie Stipendiatin der Stadt Amsterdam. In ihrem Zweitmedium Radio - Buck arbeitete lange für den Deutschlandfunk in Köln - wurde sie von Harro Zimmermann kürzlich ob ihrer "bedachtsam erkundeten Worträume und zarten poetischen Sprachgespinste" als Besitzerin "einer treuen und zahlreichen Verehrergemeinde" vorgestellt. Nun mag man als LesendeR denken: Wieder so ein unkonkret-kulturjournalistisches Geschwurbel, für das ja auch der vorliegende Text Beispiele bietet. Bucks Texte hingegen sind tatsächlich gut.


• Nordwestradio, Literaturzeit, 12.11.11

Die Schriftstellerin Inge Buck besitzt in Bremen und Umgebung eine treue und zahlreiche Verehrergemeinde. Wo und wann immer sie auftritt und aus ihren kleinen, fein getönten Büchern liest, zumeist Gedichte und Prosaminiaturen, stellt sich ein unverwechselbarer Sound ein, lassen sich die Zuhörer gern mitnehmen in bedachtsam erkundete Worträume und zarte poetische Sprachgespinste. Erinnerungsbilder, pastellfarbene Stillleben, Reiseminiaturen, Wehmutsanwandlungen, manchmal pointilistisch, manchmal im bewegten Prosarhythmus, die Poesie der Inge Buck hat etwas Unverkennbares.


• Nordwestradio, Literaturzeit, 10.12.06

Dr. Gudrun Boch

Inge Buck, An diesem Tag, Gedichte. Zeichnungen Marietta Armena. Sujet Verlag Bremen 2006.

Haben Sie schon einmal versucht, das Meer zu umarmen? Wer behauptet dieses zu tun, ist nicht bei Vernunft, sondern bei einem poetischen Akt. Das lyrische Ich in Inge Bucks dreizehnteiligen Zyklus mit dem Titel "An diesem Tag" darf ihn vollziehen:

Tag 9

An diesem Tag
umarmte ich das Meer
ein bleicher Fisch
Kieselsteine
unter mir
im Mund
Salz

Was geschieht in dieser Umarmung? Bringt sie Erfüllung oder Tod? Oder beides? Die Antwort erhalten wir nicht. Wir, die Leser oder Hörer können der Wärme und Nähe zuneigen, die das Wort Umarmung suggeriert , oder Todesnähe empfinden durch die Nennung des bleichen Fisches, wir können uns für die Härte des Kieselsteins entscheiden oder für die Weichheit des Mundes, für die Schärfe und Bitterkeit des Salzes oder für seine lebenserhaltende Qualität. Doch das Gedicht auf ein Entweder Oder festzuschreiben hieße, ihm Gewalt anzutun, es zu entzaubern, seiner Polyvalenz zu berauben. Der Gefahr eindimensionaler Interpretation der Texte muss sich auch Marietta Armena bewusst gewesen sein, als sie für diesen Gedichtband ihre Zeichnungen schuf. Es ist ihr fabelhaft gelungen, einen Grundton der lyrischen Aussagen aufzunehmen und in der eigenen Bildwelt neu zu erschaffen. In ihrer Darstellung der Meeresumarmung schließen umfangende Arme einen Kreis, der wie eine bleiche Mondspiegelung die Bewegung des Wassers und der Fische ins Unendliche fortsetzt. Die spannungserzeugende Ambivalenz des Gedichts ist hier aufgehoben in der Form des Kreises, ist in ihm zur Ruhe gebracht. Nach Ruhe und Rundung streben viele Gedichte dieses neuen Bandes von Inge Buck. Auffallend oft erscheinen die Wörter regungslos, bewegungslos, unbeweglich, vom Stillstand der Zeit ist die Rede , einmal auch von der sanften Rundung der Erde. Es gibt auch ein Gedicht vom Wind, von seinen Bewegungen aus allen Himmelsrichtungen, doch auch hier schließt sich ein Kreis, ein Zyklus ohne Anfang ohne Ende.

Eine lange Geschichte

Eine lange Geschichte
vom Wind erzählen die Silberpappeln
am See

Geschichten vom Abendwind
und vom Morgenwind
vom Sturm
vom Orkan
von der Windstille
von seltenen Winden aus dem Süden
vom zuverlässigen Nordwind
vom meergesättigten Westwind
vom eisigen Ostwind

Kein Anfang
kein Ende
Der Sprache der Blätter
höre ich zu

Das lyrische Ich entzieht sich den widerstreitenden Stürmen, findet zu sich in der Sprache.
Am radikalsten vielleicht behaupten sich die Gegensätze von Geborgenheit und Ausgesetztsein, von Ruhe und Unruhe, Frieden und Unfrieden in dem Gedicht "Mitten im Krieg"

Mitten im Krieg
sitzt ein Mensch
auf der kriegsabgewandten Seite
des Erdballs
und angelt

Die früheren Gedichtbände von Inge Buck haben, mehr als dieser es tut, zu benannten Emotionen hingelenkt . Vielfach bezeugten ihre Wörter Trauer, Melancholie, Vergeblichkeit und Vergänglichkeit. Auch die neuen Gedichte leugnen solche Empfindungen nicht, überlassen aber dem Leser zu erfühlen, was die Wörter bei ihm hervorrufen, wohin sie ihn führen

Wo

Wo
gehe ich hin
in die Luft
ins Wasser
unter die Erde

Wohin

Kreislauf des Lebens. In ihm heben sich schließlich alle Gegensätzlichkeiten auf, Gegensätzlichkeiten, die der Band in vielen Spielformen variiert, selbst in dem kleinen Prosatext , der von Ameisen und Schildläusen handelt, rastlos arbeitend die einen, reglos verharrend die anderen.
Texte und Bildgestaltung finden in diesem schönen Buch zu einer Einheit, machen es bewohnbar – bewohnbar wie ein offenes Haus ohne Dach, ohne Wände :

Das Haus
worin ich wohne
ist unbewohnbar
ich kann
es nicht verlassen
weil es das Haus ist
worin ich wohne




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